Famulaturbericht: Naggalama Februar bis März 2015

Wir, Juliane und Sarah, studieren Medizin an der FAU Erlangen-Nürnberg. Schon sehr lange war es unser Traum, einmal nach Afrika zu reisen. Da dachten wir uns, warum diese Reise nicht mit einer Famulatur verbinden und so auch noch das Gesundheitssystem eines anderen Landes kennenlernen.

Auf den Verein „Partnerschaft gesunde Welt e.V.“ wurden wir übers Internet aufmerksam. Die Ziele des Vereins sprachen uns gleich an, sodass wir uns mit
Herrn Fischer in Verbindung setzten. Er empfahl uns das kleinere St. Francis Hospital in Naggalama, Uganda, und leitete unsere Bewerbung umgehend an
Sr. Jane Frances weiter. Sehr schnell bekamen wir eine Zusage. Zahlreiche weitere Infos über Naggalama bekamen wir auch von anderen Mitgliedern des Vereins, wie Ellen und Klaus Erb und Sabine Pühl, die selbst auch schon in Naggalama waren. Wir möchten uns bei ihnen an dieser Stelle auch noch einmal für die hilfreichen Antworten auf unsere zahlreichen Fragen bedanken. Ihr habt uns sehr geholfen!

Neben den tollen Infos half uns Sabine auch tatkräftig beim Packen. Denn wir nahmen neben unserem eigenen Gepäck auch noch zwei Kisten an medizinischem Material und Spielzeug für den Kindergarten auf dem Hospitalgelände mit.

Am 14.Februar war es dann endlich so weit. Wir flogen von München nach Entebbe, wo wir von Julie und James, dem Driver des Hospitals vom Flughafen abgeholt wurden. In Naggalama angekommen, wurden wir im Guesthouse sehr herzlich von Sr. Mary und Sandra empfangen, die ein tolles Willkommensessen gezaubert hatten. Am nächsten Tag zeigte uns Sr. Mary das ganze Hospitalgelände und stellte uns den einzelnen Ärzten und Schwestern vor. Für uns sollte es erst am darauffolgenden Tag richtig losgehen, damit wir genug Zeit zum Akklimatisieren hätten. „The easy African way of life“.

Die Famulatur über waren wir beide hauptsächlich auf der Kinderstation und in der Maternity. Hier war am meisten zu tun, denn Kinder bekommen die ugandischen Frauen wirklich viele.

Morgens ging es meist gemütlich um 8 oder 9 Uhr los mit Visite. Wir waren wirklich sehr überrascht, wie toll uns Studenten alles erklärt wurde. Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen in Deutschland besprachen wir die Krankengeschichte der Patienten und die Therapieoptionen genau. Sowohl bei Dr. Pontiac auf dem General Ward (Innere und Chirurgie), bei Dr. Anett (Pädiatrie) als auch auf der Maternity mit Dr. Paul und Dr. Otim Simon waren die Visiten deutlich ausführlicher als in Deutschland.
Wir erfuhren, dass in Naggalama immer wieder Studenten aus Uganda oder dem Ausland (Schweden, Dänemark) hospitieren und deshalb die Ärzte daran gewöhnt sind, viel zu erklären. Davon profitierten wir zwei und die anderen beiden dänischen Studenten, die zur selben Zeit in Naggalama waren, sehr.
Anschließend ging es meist in den OP zu einem der Kaiserschnitte oder anderen Operationen. Auch hier herrscht eine ganz andere Mentalität als in Deutschland: Nach dem Motto „Watch one, do one“ durften wir schon recht schnell bei den Kaiserschnitten assistieren, wobei wir das Motto etwas umgestalteten in „Watch many, do some“.

Es war wirklich eine unbeschreiblich tolle Erfahrung, einmal selbst am Tisch zu stehen und kleine Dinge selbst machen zu dürfen mit einem erfahrenen Operateur an unserer Seite. Man bekommt dadurch viel mehr Ahnung davon, wie es wohl sein wird, die Arbeit eines Tages selbst zu machen. Sowohl theoretisch als auch praktisch haben wir eine große Menge an Wissen von unserem Monat aus Naggalama mitgenommen. Dr. Otim hat uns oft auf seinem PC z.B. die ugandischen Leitlinien der Schwangerenvorsorge gezeigt (die sich gar nicht so stark von den Deutschen unterscheiden) oder uns etwas im „Williams obstetrics“ (Gyn-Lehrbuch) gezeigt. Zusätzlich durften wir regelmäßig die Schwangeren mituntersuchen, wodurch man viel schneller lernt als vom reinen Zuschauen, wie es in Deutschland häufig der Fall ist.

Einige Tage waren wir auch in der HIV-Ambulanz dabei. Es ist wirklich toll zu sehen, wie standardisiert die Therapie von Patienten mit HIV und/oder Tbc abläuft. Jeder Patient hat ein eigenes Heft (das er immer wieder mitbringt und in dem u.a. Medikamente und deren Dosierung festgehalten wird) sowie seine Krankenakte im Hospital. Mindestens alle 3 Monate kommt ein Patient, um sich durchchecken zu lassen und seine neuen Medikamente abzuholen. Regelmäßig wird die CD4 Zahl bestimmt und genau auf mögliche Resistenzbildungen geachtet. Ich hatte fast das Gefühl, die Patienten seien hier besser aufgehoben als bei einem deutschen Arzt, der nicht aus einem solch reichen Erfahrungsschatz schöpfen kann wie Dr. Michael.

Einen Tag durften jeder von uns auch mit der Ambulance hinaus ins Out-reach fahren. In regelmäßigen Abständen fahren ein Teil der Mitarbeiter der Ambulanz mit den HIV-Ärzten in entlegene Gegenden, um dort HIV-Patienten zu behandeln. Es war eine ganz besondere Erfahrung mit dem Ambulance-Auto vollgestopft mit Medikamenten, med. Material und Mitarbeitern hinauszufahren und dort Patienten zu versorgen. Das kann ich nur jedem zukünftigen Praktikanten in Naggalama empfehlen.


Immer wieder wurden wir auch mit der starken Armut einiger unserer Patienten konfrontiert. Eine HIV-Patientin war in geschwächtem Zustand hustend 30km von ihrem neuen Heimatdorf bis zu uns in die Klinik gelaufen mit Verdacht auf Tbc, da sie kein Geld für den Bus hatte. Eine andere Frau (Patientin im Out reach) hatte seit zwei Jahren immer wieder Schmerzen im Unterbauch, doch die Ärzte konnten noch nichts machen, da sie die 6 Euro für eine Ultraschalluntersuchung nicht zahlen konnte. Erfreulicherweise kam sie tatsächlich am nächsten Tag zu uns ins Hospital, als wir ihr versprachen, die 6 Euro für das Sono zu übernehmen. So konnte die Ursache der Schmerzen aufgeklärt werden. Dies waren nur einige, von vielen Situationen, in denen Patienten wegen ihres fehlenden Geldes nicht zur möglichen medizinischen Versorgung gekommen sind. Vielleicht wäre eine Art Geldfond für besonders arme Patienten neben den Sachspenden für Naggalama im Verein zu überlegen. Denn wie Dr. Paddy richtig sagte: „We do have the drugs and other possibilities. It’s the poverty that kills the people!“

Während unseres Praktikums waren wir komfortabel untergebracht im Guesthouse, das auch auf dem Campus des Hospital lag. Die Haushälterin
Sandra versorgte uns dreimal am Tag mit lecker gekochtem Essen und hielt das Guesthouse auch sauber. Einmal in der Woche kochten wir zusammen mit den beiden dänischen Studenten selbst typisch „europäische“ Spaghetti Bolognese, Burger mit Pommes, Tortillas gefüllt mit Bohnen usw.

An den Wochenenden hatten wir frei und erkundeten manchmal zu zweit, manchmal zu viert die Umgebung. So fuhren wir ein Wochenende auf die Ssese Islands und ein Wochenende in den Mabira Forest zum Wandern und Ziplining. Beides wirklich traumhaft schöne, empfehlenswerte Ausflugsziele.
Nach einem Monat, der leider viel zu schnell verging, hieß es Abschied nehmen. Es fiel uns wirklich sehr schwer, allen Lebewohl zu sagen, das Hospital und seine Angestellten waren uns über die Zeit sehr ans Herz gewachsen. Ihr seid wirklich ein tolles Team!
Glücklicherweise dauerten unsere Semesterferien noch etwas an, sodass wir noch ein wenig Zeit zum Herumreisen hatten. Zunächst stand eine Safari mit Denis, einem Tourguide, der uns von Sabine empfohlen worden war (Vielen Dank nochmals dafür!) auf dem Programm. Wir fuhren in den Queen Elisabeth National Park, zu den Climbing Lions und in den Kibale NP zum Chimpanzees Trekking. Neben Unmengen von Hippos, Büffeln, Zebras, Antilopen, Löwen, Geparden, Affen, Hyänen konnten wir auch wunderschöne Vögel beobachten und bekamen vieles von Denis erklärt. Er ist als Guide wirklich wärmstens weiterzuempfehlen.
Nach der Safari reisten wir selbst mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln weiter von Fort Portal zurück nach Kampala und Jinja zum „Ursprung des Nils“. Es ist wirklich eine sehr schöne Gegend. Wir schliefen im Explorers Backpackers, einem sehr schönen Hostel. Von hier aus kann man auch zum Nile Rafting aufbrechen. Wir liehen uns Mountainbikes aus und erkundeten so ein wenig die Umgebung. Weiter ging es Richtung Mount Elgon zu den beeindruckenden Sipi Falls und dann weiter über Kenia nach Tansania zum Kilimanjaro.
Es war wirklich eine wunderbare Reise. Sowohl die Landschaft als auch die Leute selbst sind total beeindruckend. Wir haben uns jeder Zeit sowohl im Hospital als auch beim Herumreisen willkommen gefühlt. Ich bin nur selten so vielen offenen, freundlichen Menschen begegnet wie in Uganda. Viele lustige, beeindruckende und schöne Erfahrungen haben wir nach Deutschland mitbringen dürfen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Sehr erstaunt hat uns auch, dass gute Medizin nicht immer an Wohlstand geknüpft sein muss. Auch mit einfachen Mittel kann schon viel bewegt werden und gute Medizin gemacht werden. In Deutschland müssen die Ärzte oft Unmengen Zeit zum Dokumentieren aufbringen, was sicher auch seinen Grund hat, allerdings ist die Zeit am Patienten oft sehr beschränkt, ganz anders als in Uganda.
Wir können anderen Studenten oder Praktikanten wirklich aus vollem Herzen nur raten, ein Praktikum im St. Francis Hospital Naggalama zu machen. Wir wollen diese Erfahrung nicht missen.

Für uns wird es auch nicht das letzte Mal gewesen sein,
Uganda besucht zu haben.

Juliane und Sarah