Krankenpflegeschülerin in Lubaga

Franziska Bärlin
Übergabe des Materials an Dr. Diefenhardt
Zusammen mit dem Pflegeteam

Franziska Bärlin heißt die junge Dame, die über ein Stipendium der Schule für Gesundheitsberufe des Klinikverbundes Südwest in unserem Partnerkrankenhaus Lubaga in Uganda vier Wochen hospitieren kann.

Franziska Bärlin befindet sich im 3. Jahr ihrer Ausbildung und ist von Mitte Januar bis Mitte Februar 2014 in Kampala. Von der Krankenpflegeschule bekam sie den Auftrag mit, einen Bericht über die Schmerzversorung der Patienten in Uganda zu erstellen.

Bericht Woche 1 und 2:

Ein freundlichstes „Hallo“ an Sie/ Euch alle,

die Hälfte meiner Arbeit im Lubaga Hospital ist bereits verstrichen. Die Zeit verging wie im Flug.
Ich wurde sehr freundlich empfangen und habe das gesammelte und erworbene Equipment Dr. Diefenhardt überreicht, er bedankt sich herzlich. Einige der Dinge werden über den Store bei Bedarf an die jeweiligen Stationen weitergegeben.

Auf dem Surgical Ward, dort habe ich die ersten beiden Wochen verbracht, konnte ich bereits schon Mullbinden im Umlauf entdecken, die ich mitgebracht hatte. Verbandsmaterial kann man hier wirklich gut gebrauchen.

Die kleinen Gegenstände die für den Kindergarten in meinem Gepäck waren, sind, soweit ich weiß, noch nicht dort angekommen, denn die Kinder haben noch große Ferien.

Ich bedanke mich noch einmal herzlich bei allen, die mir bei der Beschaffung und Finanzierung des Equipments behilflich waren, die Mitarbeiter hier haben sich sehr gefreut. Hier ist zwar einiges vorhanden, aber vieles ist schon sehr alt und gerade täglich benötigte Dinge, wie z.B Sauerstoff oder Glucoseinfusionen sind schon einmal „out of store“.

 
Manches von dem Mitgebrachten, wie z.B einen Stauschlauch, musste ich erst einmal erklären.
Das Personal auf dem Surgical Ward, das üblicherweise zum Stauen statt Stauschlauch Latexhandschuhe verwendet, ist von dessen praktischer Anwendung begeistert.

Ich habe einige spannende Erlebnisse der ersten Wochen auf dem Surgical Ward zu verzeichnen und ich muss sagen, dass auch hier manche Vorgänge und Abläufe sehr ähnlich sind wie im Krankenhaus Böblingen. Es gibt zwar keine Pc´s an dem Laboruntersuchungen und Sonstiges angemeldet werden, aber über schriftliche Anmeldungen gelingt die Diagnostik trotzdem. Das Personal hier ist sehr erpicht darauf, Handschuhe zu tragen und gewisse hygienische Abläufe bestehen hier sehr wohl.


Die Schwestern hier sind sehr stolz auf ihren Beruf und genießen gute Anerkennung in der Bevölkerung. Sie tragen Dienstkleider, Häubchen und einen farbigen Gürtel der ihren Rang verrät. Bisher habe ich hier nur geschultes Personal getroffen. Für sie alle ist es sehr wichtig, dass sowohl ihre Dienstkleidung, das Patientenbett und die Räume ordentlich aussehen. Meine Dienstkleidung wasche ich von Hand in meiner Badewanne und bügle sie, dass ich auch ordentlich aussehe.
Die Nurses tragen Ballerinas zum Arbeiten und haben deshalb ein wenig über meine sportlichen Arbeitssportschuhe geschmunzelt.


Ich beobachte für meine Forschungsfrage fleißig, wie hier Schmerzmanagement abläuft und schreibe ein Forschungstagebuch.
Die nächsten beiden Wochen werde ich für weitere Einblicke auf dem Maternity Ward arbeiten.

Sister Janet hat mir sehr geholfen, mich die erste Zeit in der bunten, afrikanischen Welt zurecht zu finden. Hier in der Stadt ist stets Musik zu vernehmen und selbst zu später Uhrzeit sind hier noch sehr viele Leute unterwegs. Wenn ich mit einem Minibus in das Stadtzentrum fahre, ist es jedes Mal eine rasante Fahrt. Von allen Seiten kommen Motoradtaxis („Boda Boda“) und Verkehrsregeln werden nur spärlich beachtet. Der Minibus hüpft durch einige Löcher und der Motor geht schon ab und an einfach mal aus.
Ohne Einheimische oder langjährige Bewohner (Sister Janet seit 1971) von Kampala finde ich mich im Zentrum kaum zurecht. Überall sind Menschen, sie scheinen sehr geschäftig. Sie schauen interessiert nach der Weißen die da kommt. Keiner ist hier bisher aufdringlich und hier wird unheimlich viel gelacht und freundlich gegrüßt. Ich genieße die Offenheit und Lebensfreude der Ugander.


Die Früchte, die man hier auf dem Markt kaufen kann sind sehr viel köstlicher und günstiger als das Obst in Deutschland. Vor allem die Passionsfrüchte schmecken mir.
Stella, die Tochter der „Kindergartenchefin“ auf dem Lubaga Gelände, hat mit mir schon einige ugandische Gerichte auf einem kleinen Holzkohleofen zubereitet und bringt mir ein bisschen Luganda, die Sprache die hier neben Englisch gesprochen wird, bei.

Ich bin sehr dankbar, dass ich das hier alles erleben kann und alles so wunderbar klappt (dank vieler Menschen die mich so tatkräftig unterstützen!).
Die besten und gesundesten Grüße aus Kampala von Franziska Bärlin

2. Bericht

Olyo tya ssebo/ nnyabo? (höfliche Begrüßung auf Luganda für Herren/ Damen)

Morgen verlasse ich das Lubaga Hospital nach vier, viel zu schnell vergangenen Wochen. Ein Taxi bringt mich Richtung Queens Elizabeth National Park, wo ich unter anderem, noch ein paar Tage Urlaub mit meinen Eltern verbringe.

Heute habe ich, neben meinem letzten Tag Arbeit auf dem Post Natal Ward, Dr. Diefenhardt zum Abschluss getroffen. Er hat von mir eine schriftliche Seite Beobachtungen und mögliche Verbesserungsvorschläge für das Hospital erhalten, darum hat er mich gebeten. Einige Punkte möchte er im nächsten Lubaga Meeting ansprechen. Durch diese Feedbacks die Herr Diefenhardt  von den internationalen Besuchern erwartet, fördert er gekonnt den interkulturellen Dialog zwischen ugandischem Krankenhaus und dem Rest der Welt.
Ein besonderes Highlight war heute für mich zum Abschluss, die Fahrt mit einer Patientin im Krankenwagen zu einem CT-Scan in das Sambia Krankenhaus (das Lubaga Hospital besitzt kein CT- Gerät). Sobald ein Krankenwagen einen Patienten befördert wird die Sirene eingeschaltet. In meinem letzten Brief habe ich von den rasanten Minibusfahrten berichtet, man kann sich nun vorstellen, dass diese Krankenwagenfahrt ohne Gurt durch zahlreiche Schlaglöcher noch sehr viel rasanter war. Leider hat die Trage zur Beförderung der Patienten nur noch ein Seitenteil und ist auch sonst etwas wacklig. Die Anschaffung einer neuen Trage wäre durchaus in Betracht zu ziehen.

Die Mitbringsel für den Kindergarten und Zahnbürsten für die dentale Klinik, habe ich inzwischen überbracht, denn hier sind die Ferien jetzt zu Ende. Es wurde sich sehr höflich und fröhlich bedankt.
Ich muss wirklich sagen, dass die Ugander hier im Hospital gut Wege gefunden haben, auch aus vergleichsweise wenig etwas zu machen. Kaputte Dinge werden nicht einfach weggeworfen, sondern repariert (wie z.B ein fünfach geflicktes Bettlacken).

Nach dem Surgical Ward habe ich 2 Wochen auf dem Maternity Ward gearbeitet, eine Woche davon im Kreissaal, die andere Woche wie gesagt auf der Wochenstation (Post Natal Ward).
Auf den Maternity Wards konnte ich ganz deutlich spüren, dass jede ugandische Frau mindestens doppelt so viele Kinder bekommt wie eine deutsche Durchschnittsfrau. An einem Tag konnte der Kreissaal hier 17 Geburten verzeichnen und das Lubaga Krankenhaus ist nur eines von einigen Krankenhäusern in Kampala. Im gesamten Januar 2014 wurden alleine hier schon über 300 Babys geboren. Das ist eindeutig eines der geschäftigsten Bereiche auf dem Lubaga Gelände.
Erst auf den Maternity Wards wird richtig deutlich, dass HIV hier ein großes Thema ist. Jede Mutter muss sich zwangsweise vor Entbindung testen lassen und überall hängen Infoplakate über die Vorgehensweise bei HIV positiven Müttern. Die Krankenschwestern erachten HIV als ein afrikanisches Problem. Sie sind überrascht als ich ihnen erzähle, dass auch in Deutschland HIV positive Patienten behandelt werden. 

Inzwischen fühle ich mich schon so halb afrikanisch. Die afrikanischen Speisen die Stella mir gezeigt hat, wie z.B Chapati, bereite ich inzwischen selbst für mich in meiner Wohnung zu und ich trinke eine Menge schwarzen Tee (aber ohne die für hier typische Beimengung von Milch und 2 Esslöffeln Zucker). Das Handeln auf den Märkten war für mich anfangs etwas komisch aber inzwischen macht es mir sogar Spaß. Auf dem Nakassero Market in der Stadt wurden mir die Früchte für „Musungu“ Preise angeboten, die Verkäufer haben dann gelacht, als ich mich eifrig mit ihnen auf einen guten Preis geeinigt habe. Ich habe mich daran gewöhnt hier zu sein und ich habe so viel Erlebt.
Tolle 4 Wochen die jetzt schon vorüber sind. Ich bin traurig Lubaga zu verlassen, freue mich aber auch ein bisschen auf ein Wiedersehen im kalten Deutschland.

Nun genieße ich aber erst einmal meinen Urlaub in der Natur Ugandas bevor die Arbeit in Böblingen  wieder beginnt.
Afrikanische Grüße von Franziska Bärlin